„Was können – und müssen – Stadtquartiere heute leisten, Christian?“
In diesem Monat beginnen in Bremen-Neustadt die Bauarbeiten am Kornquartier – einem in Konzeption und Dimensionierung außergewöhnlichen Projekt, das Döpker gemeinsam mit Eiffage Infra-Hochbau in der ARGE Kornquartier realisiert.
Für mich, Svea-Kristin aus dem Marketing bei Döpker, ist dies ein willkommener Anlass, um im Folgenden einmal mit Christian Schaefer zu sprechen. Christian ist unser Geschäftsführender Gesellschafter – und zugleich ein ausgewiesener Experte, wenn es um Stadtquartiere geht, um neue Urbanität, gemischte Nutzungen sowie nicht zuletzt die Kunst, komplexe Bauaufgaben zusammenzuführen.
Christian, 16 Gebäude, rund 56.400 Quadratmeter Brutto-Grundfläche und ganz unterschiedliche Nutzungen: Was reizt dich am Kornquartier am meisten?
Dass hier nicht einfach eine Gruppe von Gebäuden entsteht, sondern ein Stück Stadt. Wohnen, Arbeiten, Kultur, soziale Angebote, Gastronomie und Freizeit werden bewusst verbunden. Dazu kommen öffentliche Wege und Plätze sowie ein weitgehend autofreier Innenbereich. Die Qualität liegt im Zusammenspiel. Genau das macht solche Projekte anspruchsvoll – und spannend.
Ist diese Mischung typisch für moderne Stadtquartiere?
Sie wird immer wichtiger. Lange war Stadtplanung stark von Trennung geprägt – das hat sich verändert. Untersuchungen des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) zeigen, dass in den 2010er-Jahren bereits rund 60 Prozent der neu errichteten Quartiere nutzungsgemischt waren. Damit gewinnen auch kurze Wege und gut gestaltete öffentliche Räume an Bedeutung: Sie fördern Begegnung und Austausch zwischen unterschiedlichen Generationen, Lebensmodellen und Einkommensgruppen. Beim Kornquartier ist deshalb auch vorgesehen, dass mindestens 30 Prozent des Wohnraums öffentlich gefördert werden.
Was unterscheidet ein gutes Quartier von einer Ansammlung guter Gebäude?
Ein Quartier muss als Ganzes funktionieren. Ein gutes Gebäude reicht nicht, wenn Wege, Freiräume oder Infrastruktur nicht mitgedacht sind. Und ein Quartier muss veränderungsfähig bleiben. Arbeitswelten, Mobilität und Wohnformen verändern sich schneller als Gebäude. Gute Planung schafft deshalb Strukturen, die langfristig nutzbar und anpassbar bleiben.
Hinzu kommen höhere Anforderungen an Nachhaltigkeit und Klimaschutz.
Ja, und das ist umfassender als der Energieverbrauch einzelner Gebäude. Es geht auch um Versiegelung, Begrünung, sommerlichen Wärmeschutz, Regenwasser, Mobilität und Energieversorgung. Beim Kornquartier zeigt sich das konkret: Die sogenannte Klimagarage soll Mobilität bündeln und zugleich mit Photovoltaik, Wärmepumpe sowie Wärme- und Batteriespeichern zur Energieversorgung beitragen. Nachhaltigkeit wird damit Teil der Infrastruktur.
Werden solche Projekte dadurch planerisch immer komplizierter?
Auf jeden Fall. Mehr Nutzungen, technische Systeme und Beteiligte bedeuten mehr Schnittstellen. Deshalb sind digitale Methoden wie BIM so wertvoll. Wenn Planer, Fachingenieure und Ausführende auf einer gemeinsamen Datenbasis arbeiten, lassen sich Konflikte früher erkennen, Änderungen besser steuern und Entscheidungen transparenter treffen. Bei großen Quartieren ist das ein wichtiges Werkzeug für Qualität und Planungssicherheit.
Was muss ein Generalunternehmer für diese Größenordnung mitbringen?
Vor allem die Fähigkeit, Komplexität zu organisieren. Niemand baut ein solches Quartier allein. Man braucht Fachkompetenz, belastbare Prozesse und Partner, die offen miteinander arbeiten. Deshalb haben wir uns beim Kornquartier mit Eiffage Infra-Hochbau in einer ARGE zusammengeschlossen. Wir bündeln Erfahrung und Kapazitäten und behalten gemeinsam Qualität, Termine und Kosten im Blick.
Ist das auch ein Modell für weitere Projekte?
Sehr gern. Gerade bei großen Vorhaben wird viel möglich, wenn Kompetenzen früh zusammenkommen und Verantwortlichkeiten klar sind. Döpker bringt seine Erfahrung als Generalunternehmer, im schlüsselfertigen Bauen und mit BIM ein. Entscheidend bleibt aber das gemeinsame Ergebnis. Ein gutes Quartier entsteht nicht durch Einzelkämpfer, sondern durch Partner, die gemeinsam ein Stück Stadt bauen, das auch in vielen Jahren noch funktioniert.